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Skills statt nur Prompts.

von Barbara Horak23. August 20268 Min Lesezeit
Skills statt nur Prompts.

Prompt, Projekt, GPT, Gem, Skill: fünf Begriffe, drei Ebenen. Was der Unterschied im Alltag bedeutet, wo es Skills gibt, und warum ein Skill mit dir mitwächst.

Prompt-Tipps waren 2025. Prompt-Sammlungen mit 500 Vorlagen auch.

Seitdem gibt es eine dritte Möglichkeit, mit KI zu arbeiten. Anthropic hat sie im Oktober 2025 eingeführt und das Format offengelegt. Es geht um eine Textdatei, in der steht, wie eine wiederkehrende Aufgabe bei dir zu erledigen ist. Skills heißen sie.

Und während in Marketing-Gruppen noch diskutiert wird, ob ein Prompt besser mit „Du bist ein erfahrener Texter" beginnt, hat sich die Frage verschoben. Sie lautet nicht mehr, wie du es formulierst. Sondern warum du es jedes Mal neu formulierst.

Denn so sieht der Alltag vermutlich aus. Neuer Chat, du erklärst wieder, wer du bist, für wen du schreibst, wie du klingen willst, was auf keinen Fall vorkommen darf. Die KI liefert, halb passt es, du korrigierst zweimal. Am nächsten Tag von vorne.

Du bist nicht schlecht in KI. Du arbeitest nur ohne Ablage.

Drei Ebenen, fünf Namen: was ist eigentlich was?

Die Begriffe gehen durcheinander, weil jede Plattform ihr eigenes Wort für dasselbe benutzt. Sortiert sind es nur drei Ebenen.

Ebene 1: der Zuruf. Das ist der Prompt.

Was du in den Chat tippst. Gilt für diese eine Unterhaltung. Schließt du sie, ist alles weg. Für einmalige Aufgaben ist das genau richtig und bleibt es auch.

Ebene 2: der gespeicherte Arbeitsbereich. Heißt bei jedem anders.

Bei ChatGPT sind das die Custom GPTs und die Projekte. Bei Google heißen sie Gems. Bei Claude Projekte. Technisch dasselbe Prinzip: Du legst Anweisungen und Dateien einmal ab, und alles, was du innerhalb dieses Bereichs machst, bekommt sie mit.

OpenAI hat die GPTs am 6. November 2023 vorgestellt, ausdrücklich als Antwort auf Nutzer, die „sorgfältig gebaute Prompts pflegen und sie manuell hineinkopieren". Google zog am 28. August 2024 mit Gems nach, laut Ankündigung eine Möglichkeit, „Gemini anzupassen und eigene persönliche KI-Experten zu jedem Thema" zu bauen.

Das ist nützlich, hat aber eine Grenze, die man erst im Alltag merkt. Ein Projekt kennt dein Material. Es weiß, worüber ihr gesprochen habt, welche Preisliste hochgeladen wurde, was in der Auswertung stand. Was es nicht kennt, ist dein Verfahren. Es weiß, worum es geht, aber nicht, wie du es machst.

Dazu kommt das Wort „innerhalb". Ein GPT wirkt, solange du in diesem GPT sitzt. Ein Projekt wirkt in den Chats dieses Projekts. Machst du den schnellen Text zwischendurch im normalen Fenster, arbeitest du wieder ohne deine Regeln. Und mitnehmen kannst du nichts davon: Ein GPT läuft in ChatGPT, sonst nirgends, das schreibt OpenAI in der eigenen Hilfe auch so. Ein Gem läuft in Gemini.

Ebene 3: das Verfahren. Das ist der Skill.

Ein Ordner mit einer Textdatei darin, SKILL.md. Oben zwei Zeilen: wie er heißt und wann er zuständig ist. Darunter die Anleitung, daneben optional Vorlagen und Beispiele. Anthropic hat das Format am 16. Oktober 2025 eingeführt und im Dezember 2025 als offenen Standard freigegeben.

Was in dieser Datei steht, kommt nicht aus einem Kurs und nicht aus einer Vorlage. Es kommt aus deiner Erfahrung. Jede Regel darin ist etwas, das du irgendwann gelernt hast, weil ein Post nicht funktioniert hat, weil eine Kundin auf eine bestimmte Formulierung angesprungen ist, weil du nach dem dritten Newsletter gemerkt hast, dass deine Betreffzeilen ohne Fragezeichen besser laufen.

Genau das kannst du weiterschreiben. Fällt dir nächste Woche auf, dass die KI immer denselben Fehler macht, hängst du eine Zeile an. Merkst du im Herbst, dass ein Format bei dir anders funktioniert als im Frühjahr, änderst du zwei Sätze. Die Datei wird mit jeder Runde ein Stück genauer, während ein Prompt nach jedem Chat wieder bei null steht.

Dazu kommen zwei technische Unterschiede zu Ebene 2. Der Skill meldet sich selbst: Die KI liest beim Start nur die zwei Kopfzeilen jedes Skills, und passt deine Aufgabe zur Beschreibung, holt sie die volle Anleitung nach. Du kannst zwanzig Verfahren hinterlegen, ohne dass in jedem Chat zwanzig Anleitungen mitlaufen, und du musst nicht daran denken, in den richtigen Bereich zu wechseln. Und er gehört dir: Ein Skill ist eine Datei auf deiner Festplatte, kein Eintrag in einem Konto.

Ein Projekt weiß, worüber du gesprochen hast. Ein Skill weiß, wie du arbeitest.

Prompten wird dadurch nicht überflüssig. Anthropic selbst beschreibt Skills als natürliche Fortsetzung des Promptens und empfiehlt für einmalige, erkundende Aufgaben weiter den normalen Chat. Was sich ändert, ist die Arbeitsteilung: Einmaliges bleibt gesprochen, Wiederkehrendes wird geschrieben.

Drei Ebenen im Vergleich: Prompt, gespeicherter Arbeitsbereich und Skill, mit Reichweite, Wissen und Portabilität

Wo gibt es Skills, und ab welchem Tarif?

Claude: in allen Plänen, auch im kostenlosen (Hilfeseite, Stand 21. August 2026). Bedingung: In den Einstellungen muss die Code-Ausführung aktiviert sein, sonst existiert der Menüpunkt für dich nicht.

ChatGPT: Laut OpenAI-Hilfe (Stand 20. August 2026) sind persönliche Skills allgemein verfügbar für Business, Enterprise, Healthcare und Edu, dazu für Codex und die API. Für die privaten Tarife nennt die Hilfeseite keine allgemeine Verfügbarkeit.

Gemini: Skills gibt es nur innerhalb von Gemini Spark und mit einem Google-AI-Pro- oder Ultra-Abo. Laut Google-Hilfe sind sie im Europäischen Wirtschaftsraum, in der Schweiz und in Großbritannien derzeit nicht verfügbar, also im gesamten deutschsprachigen Raum nicht.

Wenn du heute anfangen willst, ohne ein neues Abo zu kaufen, ist Claude der kürzeste Weg.

Was bringt dir ein Skill wirklich?

Hier liegt das eigentliche Missverständnis über KI im Marketing.

Der Wert liegt nicht darin, dass sie Sachen für dich macht. Texte ausspucken kann jedes Modell seit Jahren, und genau daraus ist die Flut entstanden, die heute jeden Feed verstopft. Der Wert liegt darin, dass eine wiederkehrende Aufgabe schneller, gleichbleibend gut und passend zu deiner Marke erledigt wird.

Konsistenz. Dein Ton ist am Dienstag derselbe wie am Freitag, auch wenn du am Freitag müde bist. Die Regeln stehen in der Datei, nicht in deiner Tagesform.

Zeit. Der Kontext, den du bisher jedes Mal getippt hast, entfällt vollständig.

Markenpassung. Statt „schreib mir einen Post" gilt automatisch, was bei dir gilt: Satzlänge, Ansprache, verbotene Wörter, wie ein Beitrag anfängt und wie er nie anfängt.

Es wird besser. Jede Korrektur, die du einmal machst, kannst du als Zeile hinterlegen. Nach einem halben Jahr steckt in der Datei, was du sonst niemandem erklären könntest, weil es dir zu selbstverständlich geworden ist.

Unabhängigkeit. Wechselst du das Werkzeug, nimmst du die Datei mit.

KI ist nicht wertvoll, weil sie dir Arbeit abnimmt. Sondern weil sie deine Arbeit wiederholbar macht.

Bringt das messbar etwas?

Zwei Untersuchungen haben genau das gemessen und kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. In einem Vergleich über 87 Aufgaben aus acht Bereichen stieg die Erfolgsquote von 33,9 auf 50,5 Prozent. In einer zweiten mit 565 Aufgaben und 49 fertigen Skills lag der Zuwachs im Schnitt bei mageren 1,2 Prozentpunkten, 39 der 49 Skills brachten überhaupt nichts, drei machten das Ergebnis schlechter. Beides sind Preprints, die zweite Arbeit nennt sich selbst vorläufig.

Ein schlechter Skill ist schlechter als gar keiner.

Am besten schnitten fokussierte Skills mit wenigen Bausteinen ab. Große Sammel-Anleitungen, die alles auf einmal abdecken wollten, verloren. Übersetzt: nicht ein Dokument „Alles über meine Marke", sondern ein Skill pro Verfahren.

Am Beispiel eines Instagram-Posts

Alle drei Ebenen haben ihre Berechtigung, jede für etwas anderes.

Der Prompt ist für das Einmalige. „Was könnte ich zum Thema Preisverhandlung posten?" Ideen sammeln, drei Überschriften gegeneinander testen, eine Formulierung ausprobieren. Dafür brauchst du keine Datei, das ist Denken auf Zuruf.

Das Projekt ist für das Vorhaben mit Material. Dein Herbst-Launch. Dort liegen die Angebotsunterlagen, die Preisliste, die Zahlen vom letzten Durchgang. Jeder Chat in diesem Projekt kennt dieses Material. Er kennt aber nicht deine Postregeln.

Der Skill ist für das, was jede Woche gleich abläuft. Der Karussell-Post zum Beispiel, weil die Regeln dabei immer dieselben sind. So sieht das vereinfacht aus:

Aufbau eines Skills: SKILL.md mit Ablaufschritten, Verweise auf Referenz- und Vorlagendateien, Upload als ZIP und Aufruf im Chat

Oben in der Datei stehen Name und Zuständigkeit, darunter der Ablauf: These formulieren, Slides bauen, Caption schreiben, am Ende gegen die eigenen Tonregeln prüfen. Was zu lang für die Anleitung wäre, wandert in eigene Dateien daneben, etwa deine Tonregeln oder ein Muster-Post, und die werden erst gelesen, wenn ein Schritt sie braucht.

Reingespielt wird das einmal, bei Claude als ZIP des Skill-Ordners unter Anpassen und Skills. Aufrufen musst du ihn danach nicht bewusst: Passt deine Anfrage zur Beschreibung, greift er von selbst. Du kannst ihn aber auch direkt ansprechen, indem du seinen Namen nennst.

Und damit sind wir beim Punkt, den die meisten unterschätzen. Der Upload dauert zwei Minuten, und die Datei tippen musst du auch nicht selbst, dafür sagst du im Chat einfach „bau mir daraus einen Skill" und beschreibst deinen Ablauf. In Claude Code gibt es sogar einen eigenen Skill, der nichts anderes tut, als Skills zu bauen.

Die eigentliche Kunst: dein Wissen so zu verpacken, dass eine Maschine danach arbeiten kann.

Für Instagram musst du dabei nicht bei null anfangen. Die Handwerksschicht gibt es fertig: Instagram. Der Skill. bringt die Bau-Regeln für Hooks, Karussells, Reels und Stories mit, dazu den Wochenrhythmus, die Kennzahlen, auf die es wirklich ankommt, und ein eigenes Kapitel zu den vier Stellen, an denen es im deutschsprachigen Raum teuer wird, von Musik in Reels bis zur Kennzeichnung von Werbung.

Was gehört in deinen ersten Skill?

In ein Chatfenster tippen kann jeder. Genau deshalb entsteht daraus auch kein Vorsprung.

Die Kunst bei KI liegt nicht in der Bedienung, sondern in der Systematik. Also darin, welche deiner Abläufe überhaupt ein eigenes Verfahren verdienen, wie eng du sie schneidest, damit sie nicht zur Sammelmappe werden, welche Regeln aus deiner Praxis hineingehören, und woran du erkennst, dass ein Ergebnis wirklich besser geworden ist und nicht bloß anders.

Drei Fragen führen ziemlich zuverlässig dahin. Was machst du jede Woche in derselben Reihenfolge? Was korrigierst du an KI-Ergebnissen immer wieder von Hand? Und was davon könntest du so aufschreiben, dass eine Kollegin es genauso ausführen würde wie du?

Was dabei herauskommt, sieht selten spektakulär aus. Meistens sind es zehn bis fünfzehn Regeln, die du längst befolgst und nie festgehalten hast. Der KI fehlen genau die.

Und genau daran hängt es im Moment. Nicht am Werkzeug, nicht am Preis, sondern daran, dass kaum jemand weiß, wie man das eigene Wissen so ordnet, dass eine Maschine damit arbeiten kann. Die amtlichen Zahlen zeigen das ziemlich deutlich.

KI-Nutzung in Unternehmen 2025: Österreich 30 Prozent, Deutschland 26, EU 20, dazu die Gründe gegen den Einsatz

Wie groß die Lücke zwischen Nutzen und Können gerade ist, zeigen die Zahlen der Statistik Austria vom 24. Juni 2026: 30 Prozent der österreichischen Unternehmen setzen KI ein, EU-weit sind es 20, in Deutschland 26. Von den Unternehmen, die KI bereits nutzen, tun das 45 Prozent für Marketing oder Verkauf. Und unter denen, die noch nicht nutzen, aber darüber nachdenken, nennen 15 Prozent fehlende Expertise als Grund, während nur 5 Prozent sagen, sie sähen keinen Nutzen darin.

Das Problem ist also nicht, dass Leute den Sinn nicht sehen. Es ist, dass ihnen niemand die Systematik gezeigt hat. Genau die geht in Prompt-Sammlungen, Webinar-Folien und Fünf-Minuten-Reels verloren: Am Ende weiß man, was ein Prompt ist, und hat trotzdem kein Verfahren.

Wo du das einmal sauber aufsetzt

Der größere Schritt ist der, an dem die meisten hängenbleiben: Welche Verfahren in deinem Marketing überhaupt einen eigenen Skill verdienen, wie du sie schneidest, damit sie klein bleiben, und woran du erkennst, dass das Ergebnis besser geworden ist statt nur anders. Genau das bauen wir im KI Crash Kurs auf, an deinen Texten und deinem Ablauf, nicht an Beispielen von einer Folie.

Wenn du lieber klein anfängst, nimm den fertigen Instagram-Skill und schau dir an einem laufenden Beispiel an, wie so ein Verfahren aufgebaut ist.

Und wenn dich vorher interessiert, warum KI-Texte überhaupt alle gleich klingen: Das steht im Artikel KI-Texte schreiben, ohne dass am Ende alle gleich klingen.

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